Tech for Good Wien –
Evaluierung und Konzeption ethischer Rahmenbedingungen für nachhaltige Technologieprojekte im Wiener Kultur- und Sozialbereich

Two logos adressing the project cooperation between GUIDING LIGHT and Stadt Wien

Guiding Light – Organisation für Ethik und Nachhaltigkeit beim Einsatz von Technologien erarbeitete für die Abteilung Kultur der Stadt Wien in Zusammenarbeit mit Partnern aus Technologie, Kultur und Soziales die Rahmenbedingungen für Technologie-Projekte mit Fokus auf Ethik und Nachhaltigkeit in den Bereichen Kultur und Soziales.

Ausgangspunkt des Projektes

Derzeit hat eine kleine Gruppe an kommerziell orientierten Medien- und Technologiekonglomeraten die Vorherrschaft über die Ressourcen und das geistige Eigentum für den kommerziell orientierten Einsatz von neuen Technologien, Plattformen, Informations- und Medienangebote und Benutzerdaten. Alphabet, Meta, Apple, Microsoft, Amazon, Epic, und Twitter sind nicht lediglich Unternehmen für „Technologie- und Medienangebote“. Sie sind in erster Linie die Besitzer und Verwalter von geistigem Eigentum (Intellectual Property, IP) im Rahmen von Plattformen, Datenbanken, Transaktionen und Software Algorithmen, also auch der großangelegte Verbindung von persönlichen Benutzerdaten. Die Strategien sind in erster Linie von wirtschaftlichen Kriterien geprägt.

Europa hätte hier eine besondere Rolle einzunehmen und ein Gegennarrativ anzubieten zu dem stark kommerziell orientierten US-Angeboten und dem wenig nachhaltigen asiatischem Technologie-Markt

"Neue und innovative Entwicklungen sollen zum Wohle der Menschen eingesetzt werden."
Maria Steindl, Volkshilfe Wien

Warum sind Kultur- und Sozialeinrichtungen besonders betroffen?

Sie stehen u.a. für demokratische Prozesse, gesellschaftliche Weiterbildung, soziale Unterstützung und gesellschaftlichen Zusammenhalt aber werden für Technologie-Konzerne - wenn überhaupt - lediglich aus kommerziellen Blickpunkten betrachtet (Stichwort: „Greenwashing“). Kultur und Soziales zeichnen sich durch ihre Heterogenität und Maßstäbe von Reflexion aus (als Organisationen und Individuen). Beide Bereiche arbeiten häufig mit vulnerablen und marginalisierten Gruppen. Es fehlt beiden Bereichen an Ressourcen für Technologie-Projekte, die dann auch noch ethisch und nachhaltig konzipiert werden könnten.

Ziel des Projektes

Ziel dieses von der Stadt Wien geförderten Projektes ist es daher die ethischen und nachhaltigen Rahmenbedingungen für Technologie-Projekte im Kultur- und Sozialbereich zu evaluieren und vor allem zukünftige Projekte dadurch zu erleichern. Mit Expert:innen aus verschiedenen Fachrichtungen aus den Bereichen Soziales, Kultur und Technologie wurde über den strategischen Nutzen diskutiert und eventuelle Defizite aufgezeigt.

Guiding Light hat in zwei Workshops mit Vertreter:innen aus dem Wiener Kultur- und Sozialbereich über Lösungsansätze diskutiert. Mit den Ergebnissen aus dem ersten Workshop wurde eine repräsentative Umfrage unter 150 Wiener Kultur- und Sozialeinrichtungen initiiert, deren Ergebnisse gemeinsam mit den Expert:innen im zweiten Workshop zu konkreten Handlungsanweisungen in die Form eines White Papers geführt wurden.

"Durch Mitsprache können wir Technologie gemeinsam, kooperativ, partizipativ entwickeln."
jackie / Andrea Ida Malkah Klaura, GUIDING LIGHT

Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage

Es war ein großes Anliegen dieses Projektes alle miteinzubeziehen, die es betrifft. Da der Fokus auf Kultur und Soziales lag, war klar, dass es nicht ausschließlich eine ausgewählte Gruppe von Expert:innen einzelner Institutionen diskutieren konnte, sondern es notwendig war auch eine breite und repräsentative Umfrage mithilfe des Onlinetools Survio durchzuführen. In knapp sechs Wochen wurden rund 150 Wiener Kultur- und Sozialeinrichtungen unter Einhaltung des Datenschutzes und der Anonymität befragt (Rücklaufquote 56%), die es ermöglicht haben einen breiten Überblick von freier Szene, unabhängigen Einrichtungen, kleinen, mittleren bis größeren Institutionen zu bekommen. Die teils offenen und geschlossenen Fragen wurden von den Ergebnissen des ersten Expert:innen-Workshops abgeleitet und dienten als Grundlage für den zweiten Expert:innen-Workshop und konkrete Handlungsanweisungen.

Wesentliche abgeleitete Vorschläge aus Umfrage und Workshops

Im Rahmen der Umfrage haben sich wesentliche Punkte in den verschiedenen Fragen herauskristallisiert, die sowohl quantitativ immer wieder hervorgehoben wurden als auch qualitativ zur Verbesserung der derzeitigen Situation und die weitere ethisch-reflektierte und nachhaltige Positionierung der Stadt Wien im Bereich Technologie, Kultur und Soziales immer wieder u.a. auch als konkrete Vorschläge an die Stadt genannt wurden.

1. Themenfokussierte Subventionen bzw. Ausschreibungen

Es wurde insbesondere der Zykus von Ausschreibungen hervorgehoben. Vor der Ausschreibung sei ein sinnvolles Matchmaking unter möglichen Partnern zu unterstützen, die den Fokus auf Ethik und Nachhaltigkeit legen. Auch während der Laufzeit eines Projektes seien Vernetzungsoptionen sinnvoll, um das Projekt ggf. zu erweitern und zu verändern - diese Form von Flexibilität sei insbesondere bei breiten gesellschaftlichen Thematiken angebracht und notwendig. Nach Beendigung des Projektes sollte der Fokus stärker auf Dokumentation, Sharing und Best-Practice gelegt werden, damit andere Projekte davon lernen und darauf aufbauen könnten. Ausschreibungen müssten auch stärker Inklusion hervorheben: Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, aber auch Technikaffinität einzelner Zielgruppen sollten auch beim Sinne der Nachhaltigkeit mitbedacht werden. Ethische Richtlinien sollten bei jeder Ausschreibung mit Fokus Technologie verpflichtender Teil der einzureichenden Unterlagen sein.

"Die Digitalisierung von Arbeit kann eine Vision sein."
Sabine Kock, smart

2. Einrichtung einer unabhängigen Institution mit Ansprechpersonen

Die Bedeutung einer unabhängigen Institution wurde nicht nur als konkreter Handlungsvorschlag an die Stadt Wien genannt, sondern kam auch immer wieder in Form von Netzwerkoptionen und Kompetenzaufbau in anderen Fragestellungen vor. Die Expert:innen sehen auch hier Handlungsbedarf, insbesondere in Anbetracht aktueller Entwicklung wie fehlender Medien- und Technologiekompetenz in der Gesellschaft, aber auch Hassrede im Internet. Eine solche unabhängige Institution muss vor allem im Sinne der Expert:innen weisungsfrei sein. Sie darf nicht kommerziell orientiert sein (also z.B. keine spezifischen Technologien vertreten oder „verkaufen“), sondern sich politisch und wirtschaftlich unabhängig präsentieren, aber sich gemeinsam mit Stakeholdern aus Politik und Wirtschaft einem größeren gesellschaftlichen Ziel unterordnen. Sie müsse insbesondere ihre Ausrichtung als Ansprechpartner klarmachen, für Wissensvermittlung und gesellschaftliche Partizipation einstehen und transparentes Vorgehen mit Best-Practice-Beispielen vorleben.

3. Entwicklung von digitalen und hybriden Netzwerkmöglichkeiten

Eine digitale Plattform ist auch im Kontext von Technologie-Projekten sinnvoll. Jedoch muss eine solche Plattform hohen ethischen Maßstäben entsprechen, die u.a. Datenschutz, aber auch niederschwelligen Zugang für verschiedene Bevölkerungsschichten garantiert, unabhängig von ihrem Alter, Geschlecht oder sozialem Status. Sie muss barrierefrei sein und jegliche Form von Diskriminierung verhindern. Auch nicht-technikaffine Personengruppen haben das demokratische Recht am Diskurs zum Einsatz neuer Technologien teilzunehmen. Daher sollte es auch hybride und physische Formate geben, in denen sich Menschen begegnen und über Technologie austauschen können. Selbst dann, wenn diese Formate dann etabliert sind, benötigt es eine frühe Einbeziehung aller Zielgruppen und Feedback-Mechanismen, um sie weiterzuentwickeln und gegebenenfalls zu verbessern.

GL.podcasts

Ramona Kandinger im Gespräch mit Daniela Murhammer-Sas (BMK - Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

Ramona Kandinger im Gespräch mit Martin Seidl (Sozialministeriumservice)

contact@guidinglight.eu